Stephan Kühn

Mitglied des Deutschen Bundestages


GRÜNE Baupolitik

Der Bausektor ist mit seiner gesamten Produktionskette maßgeblich am Gesamtenergieverbrauch Deutschlands beteiligt. Ein Drittel der Gesamtenergie in Deutschland wird im Gebäudesektor verbraucht, das entspricht 200 Mio. Tonnen CO2 (20 Prozent der Gesamtemissionen). Beginnend mit der Gewinnung und Herstellung der  Baumaterialien, deren Einsatz bei Baumaßnahmen, und damit endend, dass ein Gebäude abgerissen und in seine Bestandteile zerlegt recycelt wird, immer wird Energie verbraucht.

Grüne Baupolitik setzt sich für nachhaltiges, energiesparendes und ökologisches Bauen ein. D. h. der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerkes muss in die energetische Betrachtungen eines Gebäudes einfließen. Die reine Betrachtung des Energieverbrauchs während der Gebäudenutzung greift zu kurz.

 


 
 

Was ist GRÜNE Baupolitik?


Um Nachhaltigkeit im Baubereich zu erreichen, müssen mehrere Faktoren in Einklang gebracht werden: der Gebäudezustand, die Herstellungs-Energiebilanzen, die Wohngesundheit und die Recyclierbarkeit der Baustoffe. Deutschland ist aber schon gebaut. Zwei Drittel aller Gebäude sind mehr als 30 Jahre alt und entsprechen bei weitem nicht den aktuellen energetischen Anforderungen. In der energetischen Gebäudesanierung liegt das größte Potenzial zur Energieeinsparung. Aber auch im Neubau können innovative und nachhaltige Lösungen und der Einsatz ökologischer Baustoffe den Energieverbrauch erheblich senken.

Es ist wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz im Baubereich zu verankern. Nachhaltigkeit bedeutet mehr, als nur die Dämmung von Wohngebäuden zu verbessern oder damit den Energieverbrauch zu reduzieren. Nachhaltigkeit muss auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden zielen. Baustoffe sollen mit geringem Energieaufwand und ohne Zusatz von mensch- und umweltschädigenden Stoffen hergestellt werden. Der Einsatz ökologischer, nachwachsender Baustoffe muss erhöht werden. Der Energieverbrauch des bewohnten Gebäudes, sowohl im Gebäudebestand als auch im Neubau, muss erheblich reduziert werden. Auch die Wieder- oder Weiterverwertbarkeit von Bau- und Dämmmaterialien spielt zunehmend eine Rolle. Unsere Vision sind nachwachsende und kompostierbare Häuser.

Ein zunehmendes Problem stellt bei steigender Dichtigkeit der Gebäude das Wohnklima und die Schadstoff- und Keimkonzentration in der Raumluft dar. Die Wohngesundheit wird für immer mehr Menschen ein wichtiges Kriterium.

Ökologische Baustoffe


Zukunftsweisend sind heutzutage Gebäude, deren Gebäudetechnik so gut ist, dass nur wenig Energie verbraucht wird. Die Betrachtung des Lebenszyklus` eines Gebäudes zeigt, dass nicht nur in der Nutzungsphase Energie verbraucht wird, sondern auch bei der Herstellung der Baumaterialien und des Gebäudes sowie am Ende der Nutzung beim Recycling. Natürliche Baustoffe wie Holz, Stroh, Hanf etc. verbrauchen in ihrer Gewinnung deutlich weniger Energie. Beim Bau eines Holzhauses wird nur ca. 30 Prozent der Primärenergie im Vergleich zu einer Massivhauskonstruktion verbraucht. Auch die natürlichen Eigenschaften der ökologischen Baustoffe prägen sich positiv auf den Energieverbrauch aus. So ist Holz im Gegensatz zu Beton ein warmes Material und hat zudem gute Dämmeigenschaften. Darum ist es sehr viel einfacher, ein Holzhaus energieeffizient zu errichten als ein Haus aus Beton.

Aber auch für das Wohnklima sind natürliche Baustoffe sehr viel angenehmer. Durch eine immer bessere Dämmung und Dichtigkeit von Häusern kann inzwischen zwar eine Menge Energie gespart werden. Sie kann aber auch dazu führen, dass Schadstoffe in den Häusern „eingesperrt“ werden. Das lässt sich durch den Einsatz ausgewählter und zertifizierter Baumaterialien umgehen. Auch hier ist der Einsatz von natürlichen Materialien oftmals die Lösung des Problems. Um die Bildung von Schimmel zu vermeiden, braucht es eine ausgeklügelte Frischluftplanung.

Bei schrumpfender Bevölkerung und zunehmendem Abriss ist aber auch die Wiederverwertbarkeit und Recyclingfähigkeit der verbauten Materialien in die Nachhaltigkeitsbewertung aufzunehmen. Wann es sinnvoller ist, ein Gebäude abzureißen oder energetisch zu sanieren, ist von Standort zu Standort zu entscheiden.

Auch bei der energetischen Gebäudesanierung können nachwachsende Baustoffe zum Einsatz kommen und den Energieverbrauch reduzieren. Für die Dämmung, neue Fenster oder Brennstoffe sind ökologische Baustoffe hervorragend geeignet.

Die Dämmung von Kellerdecke und Dach können den Energieverbrauch um etwa die Hälfte reduzieren. Weitere Maßnahmen wie der Austausch undichter Fenster, die Dämmung der gesamten Gebäudehülle, der Austausch des Heizsystems sowie die Dämmung von Leitungen können den Energieverbrauch von ca. 300 kWh/m2 pro Jahr auf ca. 50 kWh/m2 pro Jahr verringern.

GRÜNE Forderungen


Eine vermehrte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zum nachhaltigen Bauen ist auf allen Ebenen – Politik, Wissenschaft, Experten und Bauherren – dringend notwendig. Nur wer weiß, welche Möglichkeiten es zur Energieeinsparung gibt, kann sie auch umsetzen. Nachhaltiges Bauen kann nur gelingen, wenn es verbindliche Regeln zum ökologischen Bauen gibt. Zertifizierte Baumaterialien und Lebenszyklusbetrachtungen sind hilfreich. Das Instrument „Energieausweis“ muß daher um eine Nachhaltigkeitsbewertung erweitert werden, die die Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes berücksichtigt.

Die Sanierungsquote muss deutlich erhöht werden. Dies ist u.a. durch Fördermaßnahmen möglich, dabei müssen sich allerdings die Kreditkonditionen verändern. Neben den zinsgünstigen Darlehen sollen auch verstärkt Zuschussmodelle zum Einsatz kommen.

Die Ausbildung der Architekten und Handwerker muss zunehmend das Thema Nachhaltigkeit vermitteln. Sowohl im Studium als auch in der Lehre müssen energieeffiziente Bauweisen und der Einsatz ökologischer Baustoffe vermittelt werden.

Wir fordern für den Gebäudebestand einen Energieverbrauch von höchstens 60 kWh/m2a. Die Erreichung darüber hinausgehender Energiestandards wollen wir besonders fördern. Beim Neubau fordern wir das Niedrigstenergiehaus mit 15 kWh/m2a. Die Einhaltung der Energieeinsparverordnung, insbesondere bei Fördermitteln der KfW-Bank, muß regelmäßig überprüft werden.

Der Energieausweis macht nur als Bedarfsausweis Sinn. Denn nur wenn der potenzielle Mieter oder Käufer eines Objektes den Energieverbrauch unterschiedlicher Immobilien vergleichen kann, wird er eine Hilfe zur Miet- oder Kaufentscheidung sein. Unterschiedliche Energieausweise – wie die aktuelle Regelung zeigt – führen eher zur Verwirrung als zur Orientierung.

Das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EWG) regelt nur bei Neubauten den Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmebereich. Wir fordern, dass bei Bestandgebäuden, bei anstehender Sanierung oder der Erneuerung der Heizungsanlage mindestens zehn Prozent des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt wird.

Darüber hinaus wollen wir einen Energiesparfonds in Höhe von zwei Mrd. Euro einrichten, aus dem vornehmlich Sanierungs- und Stromsparmaßnahmen in Stadtteilen mit hohem Anteil einkommensschwacher Haushalte gefördert werden.

Das Marktanreizprogramm (MAP) soll verstetigt und auf innovative neue Technologien ausgeweitet werden. Das Contracting soll rechtlich erleichtert werden, denn das Einsparpotenzial ist hier beachtlich.

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