Pressemitteilung
08.12.2017

Eröffnung ICE-Neubaustrecke Berlin-München: Fahrtzeit top – Umsteigezeit Flop

Am Sonntag nimmt die Deutsche Bahn die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald (Erfurt-Ebensfeld) in Betrieb. Damit verkürzen sich die Fahrzeiten zwischen Berlin und München auf etwa vier Stunden. So kann es gelingen, mehr Menschen zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen. Nachteile ergeben sich allerdings u.a. für die Stadt Jena, die vom Fernverkehr abgehängt wird. Außerdem kommt es bei einigen Anschlüssen zu längeren Umsteigezeiten. Dazu äußere ich mich wie folgt in einer Pressemitteilung:

 

„Mit den attraktiven Fahrzeiten der ICE-Züge auf der neuen Strecke zwischen Berlin und München kann es gelingen, Menschen zum Umsteigen zu bewegen, die bisher im Auto oder Flieger sitzen. Bei allem Jubel über kürzere Fahrzeiten sollten jedoch die Kehrseiten des Projekts nicht vergessen werden. Die neue ICE-Strecke von Bayern über Erfurt nach Halle/Leipzig in die Bundeshauptstadt haben Bund und Deutsche Bahn nicht nach den Kriterien des Deutschland-Takts geplant. Ergebnis: In den Bahnknoten Leipzig und Erfurt warten Fahrgäste teils lange auf ihre Anschlüsse. Die Folgen bekommen die Reisenden zu spüren, die abseits der gut angebundenen Großstädte entlang der neuen Strecke wohnen. Was bringt es Bahnreisenden, mit Tempo 250 durch die Landschaft zu fahren, wenn man beim Umsteigen lange auf seinen Anschlusszug warten muss? Das Prinzip „erst bauen, dann Fahrplan erstellen“ muss bei künftigen Projekten der Vergangenheit angehören. Richtschnur für alle Bahnprojekte muss künftig der Deutschland-Takt sein, der günstige Anschlüsse in allen Bahnknoten ermöglicht.

 

Nachteile durch die Inbetriebnahme der ICE-Strecke durch den Thüringer Wald müssen ab Sonntag die Bahnkunden aus den Städten im Saaletal hinnehmen. Für den wirtschaftsstarken High-Tech-Standort Jena ist das Aus für den Fernverkehr ein Schlag ins Kontor. Die von der Deutschen Bahn angekündigte IC-Linie ab 2023 käme für Jena viel zu spät. Die beiden verbleibenden Fernzüge sind nicht mehr als ein Feigenblatt. Der Bund und die Deutsche Bahn müssen eine Übergangslösung erarbeiten.“

 

Bildquelle: pixabay.com/KarinKarin