Kommentar In Sachsen
09.11.2019

30 Jahre Mauerfall: Veränderungen brauchen Mut

Am 9. November 1989 schrieben die Menschen in Ostdeutschland Weltgeschichte. Ihr Protest, ihr Streben nach Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung brachte die Mauer, die tödlichste Grenze in Europa, zum Einsturz. Allen, die in den Wochen zuvor in Plauen, Dresden, Leipzig und vielen anderen Orten die Friedliche Revolution erkämpft haben, gebührt unser Respekt.

 

Unvergessen sind die Bilder, die an jenem Tag von Berlin aus um die Welt gingen: Menschen, die auf der Mauer standen; Familien, die wieder vereint waren; Fremde die sich in den Armen lagen. Die Mauer, die Menschen über Jahrzehnte zu Gefangenen im eigenen Staate machte, und mit ihr das SED-Regime waren gefallen und der Weg zu Freiheit, Demokratie und letztlich der Wiedervereinigung war bereitet. Diese Freiheit verlangt von uns heute, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten. Sie verlangt von uns, die mit ihr einhergehende Vielfalt von Wünschen, Hoffnungen und Meinungen zu respektieren und ihrer Einschränkung vehement zu widersprechen. Das Geschenk der Freiheit, Erbe der Friedlichen Revolution, gebietet uns nach wie vor jeden Tag, die Freiheit jedes einzelnen Menschen in unserem Land zu verteidigen und den Feinden der Demokratie und den Gegnern der Vielfalt entschieden die Stirn zu bieten.

 

Die Bilder sind auch Ausdruck der Hoffnung, die in dieser Nacht in der Luft lag. Viele wurden erfüllt, manche enttäuscht. Unser Land ist heute ein gänzlich anderes, besseres Land. Auf dem Weg dorthin wurden auch Fehler gemacht, manche wirken bis heute nach. Das Erinnern an die Friedliche Revolution muss Ansporn sein, weiter gegen Ungerechtigkeiten und für gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land zu kämpfen.

 

Die Friedliche Revolution ist nicht zuletzt ein Zeugnis von Mut und Verantwortung. Die Bürgerinnen und Bürger der DDR stellten sich mutig dem Unrechtsstaat entgegen. Für die Demokratie. Für die Freiheit. Auch das muss eine Lehre aus dem Herbst 89 sein: Wer Angst hat und sich von ihr leiten lässt, kann nicht frei sein. Politische Veränderungen erfordern Mut. Für die Herausforderungen unserer Zeit gilt es jetzt, mutig anzupacken. Denn nur wer mit Mut agiert, kann Zukunft gestalten. 

 

Bildquelle: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen