Presseecho In Sachsen
05.11.2018

Freie Presse/WELT: "In Sachsen sind seit 2003 fast 1700 Bauernhöfe verschwunden"

Es gibt immer weniger Bauernhöfe in Sachsen. Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion an die Bundesregierung hervorgeht, ist die Anzahl der Betriebe in Sachsen zwischen 2003 und 2016 um ein Fünftel auf 6483 zurückgegangen. Innerhalb von 13 Jahren sind damit nahezu 1700 Höfe verschwunden.

 

Vom "Höfesterben" waren laut dem Bundesagrarministerium vor allem die kleinen Betriebe mit weniger als zehn Hektar Fläche betroffen. Innerhalb von knapp zehn Jahren halbierte sich deren Anzahl nahezu auf 2091 Höfe im Jahr 2016. Einen Zuwachs gab es bei jenen Betrieben, die 200 Hektar und mehr beackern: Hier kamen rund 50 Betriebe dazu. 952 Agrarfirmen der Größenordnung gab es zuletzt im Freistaat.

 

Meine Kritik an der Agrar- und Förderpolitik der Bundesregierung hat u.a. die WELT und die Freie Presse aufgegriffen: Industrielle Großbetriebe sind im Freistaat die Regel, kleinere bäuerliche Betriebe die Ausnahme. Kein Wunder: Bei dem preislichen Unterbietungswettbewerb der Großbetriebe können die kleinen Höfe kaum mithalten. Die Bundesregierung muss ihre Förderpolitik grundlegend ändern, sonst kommt die Agrarwende in Sachsen nicht in Gang. Dass fünf Prozent der großen Betriebe 55 Prozent der Subventionen erhalten zementiert die Strukturen der industriellen Landwirtschaft. Das muss sich ändern! Subventionen müssen viel stärker an den gesellschaftlichen Mehrwert geknüpft werden: Der Mehrwert der Landwirtschaft liegt nicht darin, immer größer zu werden und immer mehr zu produzieren. Tierwohl, Qualität und Regionalität müssen eine viel größere Rolle spielen.

 

 

Die Anzahl der Tierhaltungsbetriebe in Sachsen ist zwischen 2010 und 2016 – zum Teil deutlich – zurückgegangen ist

  • Existierten 2010 in Sachsen noch 1.116 Betriebe mit Schweinehaltung, so waren es 2010 nur noch 862. Ein Rückgang um 22 Prozent.
  • Die Anzahl der Rinderbetriebe nahm von 3.532 in 2010 auf 3.427 in 2016 ab. Die Anzahl dieser Betriebe ging im entsprechenden Zeitraum also lediglich um 3 Prozent zurück, blieb also nahezu konstant. 
  • Milchkuhlbetriebe existierten 2010 noch 1.165, 2016 hingegen nur noch 1.030. Dieser Rückgang beträgt rund 11 Prozentpunkte.
  • Der Rückgang bei den Legehennenbetrieben ist zwischen 2010 und 2016 deutlich: Gabe es 2010 noch 1.736 Betriebe in Sachsen waren es im Jahr 2016 nur noch 1.528. Ein Rückgang um circa 12 Prozent.
  • Die Masthühnerbetriebe hatten prozentual den stärksten Rückgang zu verzeichnen: 2010 existierten noch 92 Betriebe in Sachsen, 2016 waren es noch 51. Das ist ein Rückgang von 45 Prozent.
  • Bei den Betrieben, die Puten halten kam zwischen 2010 und 2016 ein Betrieb hinzu: 2010 gab es hier im Freistaat 56 Betriebe, 2016 waren es 57.
  • Insgesamt zeigt sich: zwischen 2010 und 2016 ging die Anzahl der Tierhaltungsbetriebe in Sachsen um 742 zurück. In dieser Zeitspanne (6 Jahre) reduzierte sich also im Durchschnitt jedes Jahr die Anzahl der Tierhaltungsbetriebe um 123

 

Demgegenüber nahm in allen Tierbetrieben zwischen 2010 und 2016 die Anzahl der durchschnittlich je Tierbetrieb gehaltenen Tiere – zum Teil deutlich – zu

  • Bei den Schweinebetrieben erhöhte sich die Anzahl der durchschnittlich gehaltenen Schweine von 590 (2010) auf 759 (2016).
  • Bei den Betrieben, die Rinder halten erhöhte sich die durchschnittliche Anzahl der gehaltenen Tiere zwischen 2010 und 2016 kaum: 2010 waren es 139 Rinder, 2016 durchschnittlich 142 Rinder.
  • Bei den Milchkühen ergab sich im gleichen Zeitraum eine Steigerung von 161 (2010) auf 183 (2016).
  • Der Anstieg bei den Legehennenbetrieben war zwischen 2010 und 2016 sehr groß: wurden 2010 noch durchschnittlich 1.460 Tiere in einem Legehennenbetrieb gehalten, waren es im Jahr 2016 bereits 2.526 Tiere.
  • Bei den Masthühnern gab die Bundesregierung keine Zahlen für die Jahre 2007 und 2010, sondern nur für 1999, 2003 und 2016 an. Im Jahr 2016 hielt der durchschnittliche Masthühnerbetrieb in Sachsen 11.246 Tiere. 2003 waren es noch 3.974 und 1999 2.685 Tiere.
  • Die Anzahl der durchschnittlich gehaltenen Puten in einem sächsischen Putenbetrieb hat sich zwischen 2010 und 2016 ebenfalls erhöht: 2010 wurden noch 3.480 Puten in einem durchschnittlichen Tierbetrieb gehalten, 2016 waren es bereits 3.631. 

 

Die Subventionen für die landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen sind nach Auskunft der Bundesregierung sehr ungleich verteilt:

  • Die 4,9 % der größten Betriebe in Sachsen erhalten 55 % aller Subventionen. 
  • Demgegenüber erhalten 67 % der landwirtschaftlichen Betriebe nur 5,4 % der Subventionen.

Bildquelle: pixabay.com/xp3_dot_us