Bericht
05.03.2019

Lkw-Abbiegeassistenten retten leben – Zu Besuch bei einem Vorreiter

Es sind vermeidbare Unfälle und es sind Menschenleben, die man hätte retten können. Bei Abbiegeunfällen mit großen Lkws kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Durch den toten Winkel werden Radfahrer und Fußgänger übersehen und geraten unter die Lastwagen. Die Lösung des Problems kostet wenige hundert Euro und heißt Abbiegeassistent.

 

Nicht etwa die großen Lkw-Hersteller waren bei der Entwicklung die Vorreiter, sondern ein Fuhrparkbetreiber. Anton Klott, technischer Leiter von Edeka Südbayern, hat ein nachrüstbares System, bestehend aus einem Lenkwinkelassistent und einer automatischen Rückfahrbremse, in Eigenregie entwickelt. 2015 wurde er dafür mit dem DEKRA-Award ausgezeichnet. Beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren werden mittels Ultraschall mögliche (bewegliche) „Hindernisse“ detektiert. Zwei Kameras haben den toten Winkel im Blick, mit akustischen Signalen wird der Fahrer gewarnt. Auf zwei Bildschirmen kann er Radfahrer oder Fußgänger erkennen, die auf den Rückspiegeln nicht auftauchen. Das System ist nicht abschaltbar und funktioniert auch, wenn der Fahrer vergessen hat, den Blinker zu setzen.

 

Verkehrsminister Scheuer trommelt öffentlichkeitswirksam für den Abbiegeassistenten. Außer PR ist aber nicht viel dahinter. Eine generelle Nachrüstpflicht für alle schweren Lkws unterstützt der Minister nicht, stattdessen hat er lediglich 5 Millionen Euro für ein Mini-Nachrüstprogramm locker gemacht. Das Förderprogramm ist längst überzeichnet und nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Gelder können derzeit nicht abfließen, weil das Kraftfahrt-Bundesamt immer noch nicht für die Zulassung der Systeme gesorgt hat. Bei Lang-Lkws sind Abbiegeassistenten bereits Vorschrift, es besteht auch eine Nachrüstpflicht. Richtig wäre es, diese Verpflichtung endlich auf alle Lkws anzuwenden. Das würde Leben retten.

 

Bildquelle: privat