Artikel In Sachsen
11.03.2015

Mein Besuch in Dresdner Flüchtlingsheimen

Am Montag, den 9. März, habe ich zusammen mit dem Sozialbürgermeister Martin Seidel und der Leiterin des Sozialamts, Dr. Susanne Cordts, zwei Dresdner Flüchtlingsheime besucht. Die Gegensätze hätten nicht größer sein können: In der Florian-Geyer-Straße befindet sich die größte Einrichtung mit etwa 160 Plätzen, betrieben von der Gagfah. In der Einrichtung in der Johannstadt findet die Erstaufnahme von Flüchtlingen in Dresden statt. Die Heizungsanlage ist immer noch dieselbe, die bei der Errichtung des Gebäudes in den 70iger Jahren eingebaut wurde, regulieren lässt sich sie nicht. Das Linoleum in den Gängen dürfte auch noch original sein. Aus meiner Sicht nicht akzeptabel der Zustand der Bäder und Küchen, wie man auf den Fotos erkennen dürfte. Ebenso ist das Mobiliar verschlissen. Zudem fehlen Gemeinschaftsräume. Hier muss mit Nachdruck dafür gesorgt werden, dass die Gagfah die für dieses Jahr angekündigten Investitionen umsetzt!

 

Anders in der Buchenstraße:  sanitäre Anlage, wie man sie von zuhause kennt, Mobiliar in Ordnung, ebenso die Küche. In dem Heim im Hechtviertel gibt es wie in der Florian-Geyer-Straße  fünf Gemeinschaftswaschmaschinen, allerdings müssen sich hier nur ca. 45 Bewohnerinnen und Bewohner die Geräte teilen. Die Größe macht den entscheidenden Unterschied: in der Buchenstraße kennt man sich persönlich, die Heimleitung kann den Flüchtlingen bei Alltagsproblemen helfen. Ziel muss aber bleiben, möglichst viele Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. Bisher sind 70 Prozent der Flüchtlinge, vor allem Familien, so untergebracht.

 

Zahlreiche Initiativen machen in beiden Einrichtungen soziale und kulturelle Angebote. Der Dresdner Stadtrat hat zudem mit rot-grün-roter Mehrheit beschlossen, mehr Sozialarbeiter für die Unterstützung der Flüchtlinge einzustellen. Ebenso wird künftig auf Initiative des Stadtrats eine Stelle zur Asylkoordination eingerichtet. So sollen insbesondere die zahlreichen größtenteils ehrenamtlichen Unterstützungsangebote von Initiativen koordiniert werden. Der Zugang zu Gesundheitsleistungen für Flüchtlinge wird verbessert. Bisher erhalten sie erst ab 15 Monate Aufenthalt eine elektronische Gesundheitskarte. Künftig sollen alle Flüchtlinge die Gesundheitskarte erhalten. Zahlreiche Flüchtlinge sind traumatisiert und brauchen eine psychotherapeutische Betreuung. Hier will die Stadt intensiv mit dem Traumtherapiezentrum des Universitätsklinikums kooperieren. Ein erster guter Schritt.

 

Bei meinem Besuch ist deutlich geworden: Die Kommunen brauchen mit Blick auf die Kosten der Unterbringung von Flüchtlingen von Land und Bund mehr Unterstützung. Die vom Bund zusätzlich bereitgestellten Mittel, um zusätzliche Unterkünfte zu schaffen, reichen weder aus, noch kommen sie in Dresden an. Die geplanten städtischen Investitionen sind somit nicht gesichert. Denn das Land zweigt Mittel für die geplante Erstaufnahmeeinrichtung auf der Stauffenbergallee ab. Der Standort ist eingeklemmt zwischen ehemaliger Mülldeponie, Gefängnis und Polizei: kein Ort um Flüchtlinge willkommen zu heißen!

 

Mehr Unterstützung für Kommunen und würdige Unterbringung von Flüchtlingen – hier die Vorschläge der Grünen-Bundestagsfraktion zum Weiterlesen:

 

http://www.gruene-bundestag.de/themen/integration-und-fluechtlingspolitik/1-milliarde-fuer-fluechtlinge-und-kommunen_ID_4393788.html

 

http://www.gruene-bundestag.de/themen/integration-und-fluechtlingspolitik/fluechtlinge-aufnehmen-kommunen-helfen_ID_4393373.html