Pressemitteilung Im Bundestag
04.05.2017

Pressemitteilung | Kleine Anfrage zur Zukunft der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes

Zur Antwort der Bundesregierung an die kleine Anfrage erklärt Stephan Kühn, sächsischer Abgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sprecher für Verkehrspolitik der grünen Bundestagsfraktion:

 

 „Mit der Umstellung der Wetterstation auf dem Fichtelberg auf automatischen Betrieb nimmt die Bundesregierung einen Qualitätsverlust der klimatologischen Messreihen bewusst in Kauf. Mir ist schleierhaft, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an den Automatisierungsplänen festhalten kann, wenn ganz offensichtlich die technischen Probleme nicht in den Griff zu bekommen sind. Wenn sich hier nichts ändert, wird die hohe Datenqualität ab 2019 unwiederbringlich verloren gehen. Dobrindt muss die Pläne des Deutschen Wetterdienstes einkassieren, damit nicht über 100 Jahre Wetteraufzeichnung auf dem Fichtelberg vollständig entwertet werden.

 

Die Bundesregierung muss einräumen, dass für die rein technische Erfassung von Bedeckungsgraden und Schneehöhen die Datenqualität verbessert werden muss. Die Bundesregierung will deshalb auch nicht die Frage beantworten, wann der automatisierte Regelbetrieb beginnen kann. Für die Erfassung vom Schnee-Wasser-Äquivalent wird eingeräumt, dass der Regelbetrieb ab 2019 keinesfalls sicher ist, weil sich bisher die getesteten Technologien (noch) nicht als tauglich erwiesen haben. Mir ist unklar, wie man an den Automatisierungsplänen festhalten kann, wenn ganz offensichtlich die technischen Probleme nicht in den Griff zu bekommen sind. Mit einem Qualitätsverlust bei den wichtigen klimatologischen Messreihen ist auch dadurch zu rechnen, dass für die Störungsbeseitigung bei den Messgeräten künftig bis zu 48 Stunden ergehen werden, bis dann das Servicepersonal des Deutschen Wetterdienstes aus Potsdam angereist ist.

 

Wesentliche Ursache für die Umstellung der Wetterstationen auf vollautomatischen Betrieb ist die verheerende Sparpolitik der Bundesregierung. In den letzten 10 Jahren fand ein Personalabbau beim Deutschen Wetterdienst von 350 Beschäftigten bzw. 15 Prozent aller Beschäftigten statt. Betroffen davon sind auch die Beschäftigten in Görlitz und Zinnwald. Diese Sparpolitik muss ein Ende haben und der Personalabbau gestoppt werden.

 

Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum dem Fichtelberg der Status der Klimareferenzstation entzogen wurde, obwohl der Fichtelberg die Kriterien erfüllt und zum Beispiel lange Zeitreihen ununterbrochener Messungen an einem Standort vorweisen kann. Die Station auf dem Fichtelberg verfügt bundesweit über das einzige WMO-genormte Klimareferenz-Bodenmessfeld in einer Höhenlage über 1000 m. Der Fichtelberg muss deshalb wieder zur Klimareferenzstation erhoben werden.“

 

Über meine Kritik an Minister Dobrindt berichtet heute auch die Freie Presse.

 

Bildquelle: Bilderjet, pixabay.com