Presseecho In Sachsen
15.02.2019

Sächsische Zeitung: "Ein Schildbürgerstreich"

Vielerorts in Deutschland gibt es zweisprachige Schilder. Nur im sorbischen Gebiet soll das nicht möglich sein. Die Bundesregierung lehnt weiterhin zweisprachige Wegweiser und Schilder an Autobahnen für innerdeutsche Ziele ab. Die Regierung versteckt sich bei ihrer Begründung hinter bürokratischen Argumenten: Laut Richtlinie RWBA 2000 sei bei innerdeutschen Zielen die deutsche Schreibweise zu verwenden. „Amtliche Verkehrszeichen sollen so gestaltet werden, dass die Kraftfahrer die Information mit einem Blick aufnehmen und ihre Fahrweise beziehungsweise Fahrtentscheidung danach ausrichten können“, so Bundesverkehrsminister Scheuer in seiner Antwort auf meine Kleine Anfrage. Zweisprachigkeit auf den Schildern würde zu einer Verdoppelung der aufzunehmenden Informationen führen – Fahrer wären damit möglicherweise „überfordert und abgelenkt“, heißt es – dies wiederum „schränkt die Sicherheit ein“.

 

Die Sächsische Zeitung hat meine Anfrage und meine Kritik an der Bundesregierung in ihre Berichterstattung aufgegriffen. 

 

Für mich steht fest: Die Argumente der Bürokraten im Verkehrsministerium in Berlin gegen mehrsprachige Wegweiser auf Autobahnen sind wenig überzeugend. Warum die Aufschrift ,Bautzen/Budyšin’ anders als die vorhandene Beschilderung mit der Aufschrift ,Breslau/Wroclaw’ negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben soll, kann die Bundesregierung nicht erklären. In mehreren europäischen Ländern (zum Beispiel Finnland, Österreich, Slowenien) sind mehrsprachige Wegweiser auf Autobahnen zulässig. Belege dafür, dass es dadurch negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit gegeben hätte, gibt es nicht.

 

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) muss sich für eine Überarbeitung der Richtlinie RWBA 2000 einsetzen. Für die Bewahrung der kulturellen Identität ist die eigene Sprache von zentraler Bedeutung. Sie muss im Alltag sichtbar sein. Es geht um die Gleichwertigkeit und die Erhaltung der sorbischen bzw. wendischen Sprache.

 

Bildquelle: pixabay.com/Alexas_Fotos