Bericht In Sachsen
15.07.2020

Sommertour | Zu Besuch in der Oberlausitz: Reaktivierung von Bahnstrecken für grenzüberschreitende Verbindungen wichtig

Ebersbach-Neugersdorf an der Grenze zu Tschechien in der schönen Oberlausitz war gestern der erste Ort meiner Sommertour. Hier geht es um die Wiederinbetriebnahme eines grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs zwischen dem tschechischen Rumburk und der Stadt Ebersbach. Insgesamt 7 km Bahnstrecke, die seit 2010 nicht mehr bedient werden. Die Reaktivierung dieses kleinen Abschnittes entfaltet große Wirkung, wenn die zuständigen Verkehrsverbünde im Kraj Usti und in der Oberlausitz dem dringenden Wunsch der Anliegergemeinden folgen und auf dieser Verbindung wieder Verkehr bestellen: Die Nationalparkbahn von Děčín über Bad Schandau endet nicht mehr in Rumburk sondern verbindet die Sächsische Schweiz mit dem Zittauer Gebirge und dem Lužické hory. Eine durchgehende Verbindung von Rumburk nach Liberec wäre möglich, wenn parallel die bestehende Eisenbahnstrecke zwischen Eibau und Seifhennersdorf wieder in Betrieb geht. Und bei Durchbindung der Züge von Ebersbach nach Löbau und weiter nach Görlitz wären Elbe und Neiße per Bahn wieder verbunden. Für den Tourismus höchst attraktiv und für den Alltagsverkehr notwendig, wenn man sich die Prognosen und Bedarfe anschaut. Gemeinsam mit Bürgermeistern und Vertretern von Stadtverwaltungen aus Ebersbach-Neugersdorf, Rumburk, Krásná Lípa, Seifhennersdorf und Kreisräten des Görlitzer Kreistages haben wir vereinbart, wer welche nächsten Schritte geht, damit diese Vision Chancen auf Umsetzung hat.

Am Nachmittag habe ich mich mit den Bürgermeistern von zwei Anliegergemeinden und Vertreter der Initiative Pro Herrnhuter Bahn getroffen. Eine 170 Jahre alte Hauptstrecke zwischen Oderwitz und Niedercunnersdorf soll entwidmet und zukünftig als Radweg oder, so die BI, wieder für ihren eigentlichen Zweck genutzt werden: Bahnverkehr. Bei Bahnchef Dr. Lutz hatte ich mich erfolgreich dafür eingesetzt, dass diese Eisenbahnverbindung in den Katalog der für eine Reaktivierung zu prüfenden Strecken aufgenommen wird. Das Ergebnis wird bis Ende des Jahres erwartet. Die Idee des Bahnradweges entstand vor 4-5 Jahren, um den Verkehrsweg zu erhalten als Alternative zum Verkauf einzelner Filetstücke daraus. Es war für mich spürbar, dass die „Eisenbahnentwöhnung“ weit fortgeschritten ist und die Signale der Verkehrswende nachvollziehbar nicht sofort zu Vertrauen in das Verkehrsmittel Bahn bei Wiederinbetriebnahme führen. Ohne das Interesse der Anliegergemeinden am Bahnverkehr wird es aber schwierig, die Reaktivierung einer Bahnstrecke hinzubekommen.

 

Bildquelle: privat