Presseecho In Sachsen Im Bundestag
23.09.2020

Transeuropäisches Schienennetz: Es darf nicht nur bei Scheuers Ankündigungen bleiben - MDR berichtet

Am Montag übte sich Minister Scheuer einmal mehr in großen Ankündigungen. Diesmal ging es um den Aufbau eines europaweiten Netzes schneller Bahnverbindungen einschließlich eines Nachtzugnetzes, des Trans Europ Express 2.0. Ich schaute mir fast zeitgleich den Schnelltriebwagenzug der Baureihe VT 18.16 an, auch als Vindobona bekannt und sprach mit dem MDR. Als Pendant zum TEE im westlichen Europa, war dieser Schnelltriebwagenzug von Berlin nach Prag und Wien, aber auch nach Karlsbad, Kopenhagen und Malmö ab Mitte der 1960er unterwegs. Der Zug wird derzeit vom SVT Görlitz in Dresden restauriert und könnte bald wieder Menschen in Mittelosteuropa zusammenbringen.  

 

Minister Scheuer hingegen hat bislang kaum etwas für das europäische Zusammenwachsen über die Schiene getan. Er hat viel zu wenig in das Schienennetz investiert und tatenlos zugeschaut, wie die DB AG das Nachtzugsterben voranbringt. So gibt es auch beim Ausbau europäischer Strecken, wie der Gotthardachse, nicht nur massive Verzögerungen auf deutscher Seite, Verbindungen nach Polen befinden sich noch auf dem Stand von 1945. Wie es geht zeigen die Regierungen von Schweden und Dänemark. Diese bringen die neuen Nachtzugverbindungen Stockholm – Hamburg und Malmö – Köln – Brüssel mit einer Anschubfinanzierung ins Rollen. Dass von den großen Ankündigungen von Minister Scheuer zum TEE 2.0 nicht viel zu erwarten ist, kann man an diesem Beispiel gut beobachten: Jede Unterstützung dieser europäischen Verbindung wird von ihm abgelehnt.  

 

Die Investitionen in den Ausbau des Transeuropäischen Schienennetzes müssen massiv erhöht werden und die EU endlich für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern sorgen. Angesichts der Klimakrise ist die Subventionierung von Kerosin für den Flugverkehr und der Verzicht auf die Mehrwertsteuer bei internationalen Flügen ein nicht länger haltbarer klimapolitischer Missstand. Diesen gilt es, so schnell wie möglich zu beenden. Nur mit fairen Wettbewerbsbedingungen hat der Schienenverkehr auf der Mittelstrecke und im europäischen Nachtreiseverkehr eine Chance gegen den derzeit subventionierten Flugverkehr.

 

Bildquelle: privat