Bericht In Sachsen
01.10.2019

Transplantationsgesetz: Dramatischer Appell für die Widerspruchslösung im Dresdner Uniklinikum

Neun Jahre beträgt die aktuelle Wartezeit auf eine neue Niere in Dresden. Neun Jahre Dialyse, wenn keine Option auf eine Lebendspende besteht. Eindrucksvoll schilderten mir Patient*innen im Dresdner Uniklinikum ihre Geschichten. Erst die persönliche Not hätte auch in ihrer Umgebung für das Thema Organspende sensibilisiert. Das Thema Tod und die damit zusammenhängenden Fragen, wie die Organspendeproblematik, würden von den Menschen naturgemäß verdrängt, insofern sie nicht selbst betroffen sind.

Die Einladung von Prof. Dr. med. Hugo, Professor für Medizin und Nephrologie und Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft e.V. zum Austausch über die geplante Änderung des Transplantationsgesetztes nahm ich sehr gern an, um mich umfassend für die kommende Entscheidung im Bundestag zu informieren. Gemeinsam mit Kolleg*innen erläuterte er mir aus Sicht der Praxis die dramatische Situation der Patienten, die in Deutschland auf eine Organspende warten:  Im europäischen Vergleich sind die Überlebenschancen von Patienten mit teilweisen Organversagen in Deutschland inakzeptabel schlecht. Durch die langen Wartezeiten ist zudem der Zustand der Patienten zum Zeitpunkt der Transplantation wesentlich schlechter und die Transplantation ist risikoreicher. Der Grund: die Organspende ist in Deutschland nicht der Normalfall, sondern ein Sonderfall, so dass die Organspenderaten sehr gering sind. Gerade einmal 797 Organspender gab es in 2017, bei rund 10.000 Patienten auf der Warteliste.

Prof. Hugo und seine Kolleg*innen plädierten daher eindringlich für die Einführung einer Widerspruchslösung (Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Spahn), auch wenn es Verbesserung in allen Bereichen der Organspende bedarf. Eine Widerspruchslösung sei ein sogenannter „Game-Changer“, so zeigten die Beispiel aus den europäischen Nachbarländern, wo die Organspenderaten innerhalb von 5 Jahren wesentlich verbessert werden konnten. Organspende würde zum Normalfall, gegen die widersprochen werden kann, bei einer erweiterten Widerspruchslösung von den Angehörigen auch noch nach dem Tod.