Artikel In Sachsen
06.04.2016

Willkommen im Osterzgebirge – zu Besuch bei der Initiative Asyl Altenberg

Kurz vor der tschechischen Grenze gibt es sie doch, die Willkommenskultur, in einer Region, die leider eher für andere Schlagzeilen bekannt ist. Ich bin zu Besuch beim Begegnungscafé der Initiative Asyl im sächsischen Altenberg. Bürgermeister Thomas Kisten (Freie Wähler) hat für diese Initiative ganz selbstverständlich den Ratssaal des Rathauses geöffnet. Bäckereien aus der Region spendieren leckeren Kuchen. Mittlerweile engagieren sich im von Christa und Dietrich Papsch gegründeten Willkommens-Bündnis über 60 Helferinnen und Helfer ehrenamtlich. Auf acht Arbeitsgruppen verteilt sich die Arbeit – von Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge über diverse Sportangebote bis zu Kreativworkshops, für die von der Stadt kostenlos Räume im Bahnhofsgebäude zur Verfügung gestellt werden.

 

Ich spreche mit den Flüchtlingen über ihre Probleme: Sorge macht den vielen afghanischen Flüchtlingen, dass die Bundesregierung sie seltener anerkennen und stattdessen verstärkt abschieben will. Dabei ist die Sicherheitslage in Afghanistan desolat und zunehmend instabil. Zwischenzeitlich hatten die Taliban Kundus erobert. Die zivilen Opfer des Konflikts nehmen zu. Es ist nicht lange her, dass die NATO deshalb ihren Einsatz im Land verlängert hat. Deshalb dürfen aus meiner Sicht Flüchtlinge aus Afghanistan nicht abgeschoben werden. Sie müssen hier Schutz und einen sicheren Aufenthaltsstatus bekommen. Nur so bekommen sie auch einen Zugang zu den wichtigen Integrationskursen.

 

Bürgermeister Thomas Kirsten wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung, damit die Arbeit der Ehrenamtlichen durch hauptamtliche Stellen besser unterstützt werden kann. Eine sehr berechtigte Forderung, der wir Grüne zum Beispiel durch „Integrationslotsen“ für Flüchtlinge gern nachkommen würden. Dietrich Papsch macht zurecht darauf aufmerksam, dass im ländlichen Raum der Personalschlüssel nicht funktioniert, allein schon wegen der langen Fahrtwege kann ein Sozialarbeiter nicht 150 Flüchtlinge angemessen betreuen. Wir brauchen deshalb einen kleineren Schlüssel, damit Flüchtlinge besser unterstützt werden können.